

| Quelle | Sammlung Rolf Ramseier |
| Art | signierte Fotopostkarte¸ 10x15cm |
| Inhalt | Von Ellen Widmann gewidmet : "Für meinen lieben Richard Vogel Ellen Widmann (in "Privatsekretär")". Aus der umfangreichen Autogrammsammlung des Richard Vogel¸ Mitarbeiter am Schauspielhaus Zürich ab Mitte der 1940er Jahre bis Ende 1970er Jahre. |


| Quelle | Sammlung Rolf Ramseier |
| Art | Eigenhändiger Brief mit Unterschrift¸ 20x30cm |
| Ort/Datum | Zürich¸ 08.11.1954 |
| Inhalt | Bewegender¸ eigenhändiger Brief von Ellen Widmann an den Direktor des Zürcher Schauspielhaus (Dr. Oskar Wälterlin¸ 1895-1961). Text : „Zürich¸ den 8.XI.54. Sehr geehrter¸ lieber Herr Direktor ! Lassen Sie mich Ihnen wenigstens sagen¸ dass es für mich furchtbar war zu erfahren¸ dass ich die Oberpriesterin in „Penthesilea“ nicht spiele. Sie erinnern sich vielleicht¸ dass ich Sie¸ als Sie mir s.Z. mitteilten¸ dass ich die Isabella in „Braut v. Messina“ nicht bekommen werde¸ fragte¸ ob ich dann wenigstens die Oberpriesterin spielen werde¸ was Sie bejahten¸ und nun hing ich natürlich an dem kleinen Trost wenigstens in einem Klassiker drin zu stehn! – Ausser dem Wunsch und Bedürfnis zu spielen¸ ist es für mich auch eine Prestige und – nicht zuletzt – eine Geldfrage ! – Mit Entsetzen habe ich kürzlich erst gehört¸ dass man die Rolle in „Privatsekretär“ eigentlich Lina Rosen geben wollte¸ die Fremdenpolizei habe dann aber keine Einwilligung gegeben¸ bliebe also nur der „Hecht"¸ den man ja schon des Dialektes wegen weder Frau Rosen noch Frau Holstein zuteilen könnte ! – Ich bin an Ihrer Bühne ja nie verwöhnt worden und musste mich¸ nie ganz ungewohnt¸ an Schweres gewöhnen und habe viel still erduldet¸ aber was soll ich denken wenn ich mich sogar hinter Frau Rosen und Frau Holsten zurückstehen muss¸ muss ich da nicht verzweifeln ? Ich möchte so gerne in Zürich bleiben¸ und habe doch sicher auch die Berechtigung dazu¸ bitte¸ Herr Dr.¸ denken Sie manchmal daran ! Mit besten Grüssen Ihre Ellen Widmann“ |
Schweizer Schauspielerin
* 15.12.1894 Biel BE, † 25.10.1985 Zürich. Enkelin des Schriftstellers Josef Victor Widmann, Tante der Schauspielerin Elisabeth Müller. ? 1924 Adolf Manz, Schauspieler. Schauspielausbildung bei Emil Milan in Berlin. Debüt 1914 am Hoftheater Darmstadt. Engagements 1917–20 unter Louise Dumont und Gustav Lindemann am Schauspielhaus Düsseldorf (Gretchen in Goethes "Faust", Indras Tochter in Strindbergs "Traumspiel", Lady Milford in Schillers "Kabale und Liebe"), 1920–25 unter Saladin Schmitt am Stadttheater Bochum/an den Vereinigten Stadttheatern Bochum-Duisburg (Titelrollen in Grillparzers "Medea", in Hebbels "Maria Magdalena", in Schillers "Maria Stuart" und in Hebbels "Judith"), 1925–28 an der Volksbühne Berlin (Titelrolle in Hebbels "Judith", Rune Lewenclau in der Uraufführung von Paquets "Sturmflut", Regie: Erwin Piscator), Mitglied des Piscator-Kollektivs (grosser Erfolg als Mutter in Carl Credés "Paragraph 218", 1929 im Apollo-Theater Mannheim, 1930 im Wallnertheater Berlin, insgesamt über 300 Aufführungen in ganz Deutschland), dann an verschiedenen Bühnen in Berlin (unter anderem 1928 am Berliner Theater Gräfin Capulet in Shakespeares "Romeo und Julia" mit Elisabeth Bergner als Julia, Regie: Max Reinhardt). 1931–33 am National-Theater Mannheim, 1935–38 an den Städtischen Bühnen Essen, Gastengagements unter anderem am Schauspielhaus Düsseldorf (1932 Mutter Baumert in Hauptmanns "Die Weber", Regie: Leopold Lindtberg) und an den Vereinigten Stadttheatern Köln. Ab 1939 spielte W. weit über fünfzig Rollen am Schauspielhaus Zürich, unter anderem 1942 Donna Isabella in Schillers "Die Braut von Messina" (Regie: Lindtberg), 1945 Violet in Eliots "Die Familienfeier", 1946 Constanze in Giraudoux’ "Die Irre von Chaillot", 1953 Wirtin in Brod/Kafkas "Das Schloss", 1954 Tante Paula in Paul Burkhards "Der schwarze Hecht", 1958 Margaretha in Shakespeares "Richard III.", 1961 Tattabaucis in Josef Victor Widmanns "Maikäfer-Komödie" (Regie: Oskar Wälterlin), 1962 Oberschwester Martha Boll in der Uraufführung von Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker". Gastverpflichtungen hatte W. unter anderem am Stadttheater Basel (unter anderem 1940 Ella Rentheim in Ibsens "John Gabriel Borkman", 1947 Titelrolle in der deutschsprachigen Erstaufführung von García Lorcas "Bernarda Albas Haus", 1950 Titelrolle in O’Caseys "Juno und der Pfau", Madame Pernelle in Molières "Der Tartuffe", 1958 die Alte in Ionescos "Die Stühle"), am Stadttheater Bern, am Stadttheater Luzern, am Stadttheater St. Gallen, am Theater am Central Zürich und am Sommertheater Winterthur. 1951 begründete sie den Kammersprechchor Zürich. Zahlreiche Filmrollen (1931 Mutter in Fritz Langs "M" mit Peter Lorre und Gustaf Gründgens; 1971 Kommandoran in der schwedischen Astrid-Lindgren-Verfilmung "Emil i Lönneberga"), Radio- und Fernsehrollen. W. war jahrzehntelang als Schauspiel- und vor allem Sprechlehrerin tätig, zu ihren Schülern gehörten Anne-Marie Blanc, Peter Brogle, Paul Bühlmann, Urs Hefti, Siegfried W. Kernen, Jörg Schneider und Reinhart Spörri. In Zürich erinnert der nach ihr benannte E.-W.-Weg an die Künstlerin.
Filmografie
1931: M
1934: Der Aufstand der Fischer (Wosstanie Rybakow)
1939: Wachtmeister Studer
1940: Fräulein Huser
1940: Verana Stadler
1940: Weyherhuus
1941: Der letzte Postillon vom St. Gotthard
1941: Bider der Flieger
1941: Landammann Stauffacher
1942: Menschen, die vorüberziehen …
1950: Föhn
1956: Oberstadtgass
1957: Bäckerei Zürrer
1957: Der 10. Mai
1958: Kinder der Berge
1960: Anne Bäbi Jowäger – 1. Teil: Wie Jakobli zu einer Frau kommt
1963: Der Sittlichkeitsverbrecher
1968: Die 6 Kummerbuben
1970: Dällebach Kari
1971: Michel in der Suppenschüssel (Emil i Lönneberga)
1972: Der Fall
| Dieser Artikel basiert auf dem Artikel von Autor: Blubacher, Thomas: | Ellen Widmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): | Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2091–2092 und ist verügbar unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). |