

| Quelle | Sammlung Rolf Ramseier |
| Art | signiertes Foto¸ 8.5x13.3cm |
| Ort/Datum | Washington D.C.¸ ca. 1922 |
| Inhalt | Die Aufnahme zeigt Mitarbeitende der Schweizer Gesandtschaft auf der Treppe der Botschaft in Washington¸ vermutlich Anfang 1922. Als dritter von links neben zwei Damen (Sekretärinnen) steht der adrett mit Fliege gekleidete 27-jährige Carl Lutz¸ der zu diesem Zeitpunkt seit etwa zwei Jahren in der Schweizer Botschaft in Washington arbeitete. Bei den weiteren Herren handelt es sich sehr wahrscheinlich um Ernst Brenner 1887-1938¸ Sohn des gleichnamigen Bundesrates und Gesandter in Washington von 1922-1925 und Ernst Faesch 1887-1952 der seit 1916 in der Washingtoner Botschaft arbeitete und von 1922-1925 Kanzleichef war. Auf der Treppe stehend vermutlich ein weiterer Botschaftsmitarbeiter namens A. Schmid. |


| Quelle | Sammlung Rolf Ramseier |
| Art | signiertes Foto¸ 8.5x13.3cm |
| Ort/Datum | Washington D.C.¸ ca. 1922 |
| Inhalt | Carl Lutz hat das Foto rückseitig beschriftet und unterschrieben: «Dear Dr. Jenny: - Herewith a picture of a part of the Legation personnel; unfortunately¸ the Minister & Dr. Bruggman were away on their vacation. With kind regards to Madam Jenny & yourself. C. Lutz”. Beim Empfänger Dr. Jenny handelt es sich um Konrad Kaspar Jenny 1888-1944 der bis Ende 1920 mit Lutz in der Washingtoner Botschaft arbeitete und ab 1921 im diplomatischen Dienst in Berlin tätig war (und das Foto vermutlich von Lutz aus Washington an seinen Arbeitsort Berlin zugesandt bekam). Der abwesende Minister ist vermutlich der Schweizer Botschafter Marc Peter 1873-1966 und Dr. Karl Bruggmann 1889-1967¸ Gesandter von 1920-1923 in Washington. |
Schweizer Diplomat
Geboren 30.3.1895 Walzenhausen, verstorben 12.2.1975 Bern, Methodist, von Walzenhausen (ab 1963 auch Ehrenbürger). Sohn des Johannes, Steinhändlers, und der Ursula geborene Künzler. 1) 1935 Gertrud Fankhauser (->), 2) 1949 Maria Magdalena Grausz. Kaufmännische Lehre in St. Margrethen, 1913 Auswanderung in den US-Staat Missouri. 1918 College in Warrenton (Montana). Ab 1920 bei der Schweizer Gesandtschaft in Washington angestellt und Studium an der George-Washington-University. 1926 Konsulatsdienst in Philadelphia, 1933-1934 in St. Louis. Auf dem Konsulat in Jaffa (1935-1940) wurde er Zeuge der arabisch-jüdischen Unruhen. Bei Kriegsbeginn vertrat er die deutschen Interessen in Britisch-Palästina, 1941 kurz die jugoslawischen in Berlin.
Von Januar 1942 bis März 1945 leitete Carl Lutz als Vizekonsul die Schutzmacht-Abteilung der Schweizer Gesandtschaft in Budapest, die Grossbritannien, die USA und zwölf weitere Krieg führende Staaten vertrat. Lutz befasste sich vorerst mit dem Transit jüdischer Ausländer durch Ungarn, welche ein britisches Zertifikat zur Ausreise nach Palästina besassen. Als im März 1944 die deutsche Wehrmacht Ungarn besetzte, waren auch die über 740'000 ungarischen Juden in Lebensgefahr. Während in der Provinz in drei Monaten eine halbe Million Menschen deportiert wurde, gelang es Lutz, in Budapest mit einer diplomatisch-humanitären Aktion – die sein Mandat sprengte, aber von Bern toleriert wurde – insgesamt 62'000 (der 120'000 überlebenden) Juden zu retten. In zähen Verhandlungen mit der Horthy-Regierung, mit Hitlers Gesandtem Edmund Veesenmayer und dem SS-Kommandanten Adolf Eichmann erreichte Lutz den Schutz der Palästinapass-Inhaber. Er stellte viel mehr Schweizer Schutzbriefe als die 8000 aus, die ihm aufgrund des Kontingents zustanden, und trug die Auswanderungswilligen in Kollektivpässe ein. Als die Juden nach dem faschistischen Pfeilkreuzler-Putsch (15. Oktober 1944) in akute Gefahr gerieten, brachte Lutz sie in 72 Schutzhäusern unter. Dabei wurde er vom Schweizer Gesandten Maximilian Jäger, vom Geschäftsträger Harald Feller und seiner Frau Gertrud sowie vom zionistischen Widerstand unterstützt. Lutz arbeitete eng mit dem IKRK-Delegierten Friedrich Born sowie den übrigen neutralen Diplomaten zusammen, insbesondere Nuntius Angelo Rotta und dem Schweden Raoul Wallenberg. Nach der Eroberung Budas durch die Rote Armee wurde er mit dem übrigen Personal der Botschaft repatriiert und setzte seine Laufbahn als Konsul fort (u.a. 1951-1961 in Bregenz).
Anerkennung für seine Rettungsaktion erhielt Lutz von jüdischen Organisationen (Zionistenkongress 1946) sowie von den Regierungen Ungarns, der USA (1960), Deutschlands (1962) und Israels, wo Lutz 1964 als erster Schweizer von der Holocaust-Stiftung Yad Vashem als «Gerechter unter den Völkern» geehrt wurde. In der vom EPD angestrengten Administrativuntersuchung zur Amtsführung der ganzen Gesandtschaft in Budapest (nicht gegen Lutz persönlich) wurde ihm 1945 tadelloses Verhalten bescheinigt. 1958 wurde Lutz im Parlament anlässlich der Behandlung des Ludwig-Berichts von Bundesrat Markus Feldmann (EJPD) für seinen Einsatz in Budapest gelobt und 1960 vom EPD zum Titular-Generalkonsul befördert. Zahlreiche postume Ehrungen seit den 1990er Jahren.
Quelle Biografie:
| Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Carl Lutz aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: Rolf Stücheli. Version : 06.02.2018 |